Roasting in the wild: Åre Kafferosteri

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Wie Ihr unter anderem auf Because You Are Hungry nachlesen könnt, war Bene mit Toni im Juli in Schweden, um das Land, seine Landschaft, Kulinarik (Fäviken!) und noch so einiges mehr zu erkunden. Und nicht nur kulinarisch haben sie dabei dem Norden ein weiteres Mal auf den Zahn gefühlt, sondern diesmal auch ergründet, was das Land von Wald und See so im Bereich der feinen Getränke zu bieten hat.

Nachdem wir für einen Besuch im großartigen Fäviken Magasinet sowieso in der Gegend von Åre, dem schwedischen Skiort-Pendant zu Chamonix, Aspen, St. Moritz & Co. waren, haben wir uns natürlich auch gefragt, was es in dieser Gegend so an trinkbaren Genüssen zu entdecken gibt. Hierbei stießen wir auf zwei besondere Personen, die sich mit ihrer kleinen, lokalen Kaffeerösterei „Åre Kafferosteri“ einen Traum erfüllt haben.

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Eva Gefvert Nordell und Per Nordell, eigentlich beide Lehrer, leben idyllisch an einem abgelegenen See, etwa 30 Autominuten (die letzten 15 davon über typisch schwedische Schotterpisten) von Åre entfernt. Als Per vor ein paar Jahren mit einer Gruppe von Amerikanern zusammentraf, fragten diese ihn, warum es in Schweden keinen guten Kaffee gäbe. Diese Frage reifte in dem Paar, gemeinsam mit Recherchen und viel Neugier, letztendlich zu der Idee heran, eine eigene Kaffeerösterei zu gründen. Bis vor ein paar Jahren wurde der schwedische Kaffeemarkt, ähnlich wie bei uns, von einigen wenigen „Big Players“ dominiert, welche die Qualität des Kaffees oder gar Ideen wie „Single Origin“ nicht gerade oben auf ihrer Agenda anführen. Der Preis und die Absatzmenge bestimmten somit den Markt, nicht eben Vielfalt, Geschmack und fairer Handel. Dieser Umstand bietet aber gerade einer kleinen und unabhängigen Rösterei die Möglichkeit, eine Nische zu finden. So haben sich die beiden auch bewusst dazu entschieden, neben ihren zwei Kaffees, von welchen eines in der Talstation von Åre, das andere im Ortskern beheimatet ist, nur ausgewählte Restaurants wie das fantastische Fäviken oder das Bio-Gesamtkonzept Krettsloppshuset (übrigens beide ein Besuch wert) zu beliefern. Wer in der Kaffee-Branche Qualität liefern möchte, muss auch sicherstellen können, dass jeder Schritt in der Kette einen hohen Standard einhält.

Die beiden haben sich bei der Röstung einerseits auf Single-Origin-Kaffees – vornehmlich, aber nicht ausschließlich aus Südamerika – andererseits auf spannende und auf den Punkt komponierte Espresso-Blends spezialisiert. Übrigens ist das Blending ein Trend, der, noch zu Beginn der Third Wave Coffee-Bewegung verschrien, immer mehr in Mode gerät. Wie auch bei Weinen geht es um das Ziel: Will man durch die Mischung zweier Kaffees qualitative Schwächen kaschieren, oder aus zwei guten Produkten etwas noch besseres machen. Ich finde, dass letzterer Zugang ein spannendes Feld ist, welches uns in Zukunft noch Einiges mehr bieten wird.

Die Single Origin-Kaffees – Äthiopien, Guatemala und El Salvador, welche wir in den folgenden 2,5 Wochen in unserem Wohnmobil aus der Aeropress gekostet haben, waren allesamt sehr fein ausgebildet und auf den Punkt geröstet. Auch der „Rock“ Espresso-Blend (Peru/Brasilien) konnte uns – wenn auch etwas dunkler geröstet als die Single Origins – absolut überzeugen.

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Die Åre Kafferosteri jedenfalls hat bei uns den Eindruck gestärkt, dass die Specialty Coffee-Szene in Schweden – abseits der Großstädte Malmö, Stockholm und Göteborg – Einiges zu bieten hat. Und eins steht fest: Bei uns haben sie schonmal zwei Preise sicher – der für die abgelegenste Rösterei und der für den schönsten Ausblick von der Röstmaschine – gewonnen. :)

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