Der Schoentrinken Jahresrückblick

Oder: „Warum denken die jetzt, dass sie so etwas auch machen müssen?“
Zugegeben, auch wir rollen bei den meisten Jahresrückblicken, die da draußen so herumschwirren, eher die Augen als dass sich ein „darauf habe ich gewartet“-Reflex einstellen könnte. Jedoch müssen wir Euch trotzdem sagen, dass dieses Jahr einfach zu viel passiert ist, worüber wir mangels Zeit oder aus anderen fadenscheinigen Gründen nicht berichtet haben. Ach, und falls Ihr es tatsächlich schafft, den ganzen Artikel zu lesen, gibt es noch ein kleines Rezept oben drauf. Eher dann aber für Silvester 2016. Braucht nämlich ein paar Tage.

Mixology Bar Awards 2016 in Berlin

© Benedikt Steinle // www.youarehungry.com © Benedikt Steinle // www.youarehungry.com

Nachdem Bene und Toni in ihrer Funktion als Blogger bei Because You Are Hungry und Jurymitglieder beim Food Blog Award 2015 ohnehin schon in Berlin unterwegs waren, und wir kurz vorher erfuhren, dass der liebe Reinhold Pohorec, zusammen mit Peter Weintögl, mit ihrem roten Pontica Wermut bei den Mixology Bar Awards am 5.10.2015 auf der Shortlist für die Spirituose des Jahres landeten und somit zugegen sein wurden, entschieden die beiden kurzerhand, den Aufenthalt zu verlängern und – als Abordnung von Schoentrinken – sich Karten für das Event zu ergattern. Es war eine glanzvolle Gala mit rund 450 Personen im Saal des Grand Hyatt am Potsdamer Platz, auf dessen Bühne die Zeremonienmeister Betty Kupsa und Phil Duff, von 6 Barstations flankiert, kurzweilig durch den Abend führten. Letztendlich gab es leider keinen Pokal für den Wermut, stattdessen machte der im kleinen Fass gereifte Corn-Whiskey Hudson Baby Bourbon das Rennen. Trotz allem eine tolle Veranstaltung und wir hatten große Freude daran. Es waren Barlegenden wie Charles Schumann vertreten und Kan Zuo räumte mit seiner The Sign Bar als erneute Bar des Jahres – Österreich die Titelverteidigung ab. Alles in allem ein tolles Event und eine gelungene Abrundung unseres Berlin-Aufenthalts.

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Craft Bier Fest

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Am 20. und 21.11. fand das diesjährige Craft Bier Fest in Wien, zum zweiten Mal schon in der Ankerbrot Fabrik, statt. Auch in diesem Jahr gab es ganz hervorragende Dinge zu entdecken: Neue Brauereien wie zum Beispiel das gehipsterte (und für uns ist das kein Schimpfwort) Zeux und eine klare Entwicklung der Biere hin zu Gelagertem und Experimentellem. So konnten z.B. die guten Jungs von Brew Age mit einem Barrel Aged Nussknacker bereits zu Anfang unseres Besuchs die Messlatte knapp unter der Hallendecke anbringen. Aber auch am Bierfracht-Stand (ein Fixpunkt für jeden Besuch und ein Garant für spannende Biere) konnten wir mit Exoten wie dem Sourdough Wild Ale von Almanach, einem mit Sauerteig verbrauten, starken Ale, sowie einigen sauren, kräftigen und durchwegs spannenden Tropfen, begeistert werden. Die Kanadier von Steamworks Brewery, welche bereits bei den Craft Bier Fest Tasting Sessions im Mai debütierten, konnten unter anderem mit ihrem Pumpkin Ale begeistern – ein Bierstil, der in Amerika eine lange Geschichte hat und unserer Meinung nach nicht nur gut ins Glas, sondern auch gut in die Saison passt. Wir können über diese Veranstaltung einmal mehr sagen, dass wir uns schon jetzt auf die Fortsetzung freuen.

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Weingut Schmid Pillichsdorf

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Die schönsten Erfahrungen sind oft die unerwarteten. Da waren wir also, am zweiten Tag unseres kleinen Weinviertel-Trips, spontan auf dem Weg zum uns wohlbekannten Weingut der Familie Schmid in Pillichsdorf, und sollten eine gehörige Überraschung erleben. Das Weingut Schmid ist an ein paar Märkten in Wien, zumeist einmal in der Woche, vertreten, um dort seine Weine anzubieten. Darüber hinaus beliefern sie auch Wien und Umgebung auf Bestellung. Die Weine sind gut, der Preisrahmen ist günstig, und so hat Bene das Haus schon vor längerer Zeit zu seinem Hausweingut erkoren. Nun haben wir uns zum Besuch angemeldet und Stefan Schmid, der überaus freundliche Herr des Hauses, verspricht uns, zur angegeben Zeit da zu sein. Ohne viele Umschweife stellt er uns seine Weine vor, die ersten davon sogar noch in den letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Herbstsonne. Weiter ging es im Verkostungsraum. Schnell wird klar, dass Weisswein die Domäne des Weinguts und der Grüne Veltliner „Weinviertel DAC“ der Stolz des Winzers ist. Trotzdem beschäftigt er sich, zu unserer Freude, auch mit etwas aus der Mode gekommenen, langsam aber wieder angesagteren Trauben wie dem Traminer (trocken ausgebaut, trotzdem mit kräftigem Körper) oder dem Muskat Ottonel, welcher in diesem Jahrgang mit Sauvignon Blanc cuvetiert wurde. Eine ungewöhnliche Hochzeit, dennoch funktioniert sie hervorragend. Der Körper und die Würze des Muskat Ottonel unterstützen die Fruchtigkeit und die Säure des Sauvignon erstklassig.

Nachdem wir also alle Weine gekostet und unsere Bestellungen abgegeben hatten, lud uns Herr Schmid noch ein, den Weingarten zu besichtigen. Und dort kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Beinahe die gesamten Weingärten der Familie Schmid sind schon seit geraumer Zeit auf biodynamischen Anbau umgestellt. Nun wäre es aber nicht so, dass der Winzer daraus eine große Sache machen würde. Ganz im Gegenteil – stattdessen konzentriert er sich vielmehr auf den Anbau und die Perfektion des Verfahrens. Durch gezielte Auspflanzungen von Kräutern und Wildpflanzen zwischen den Rebstöcken und schonende Bewirtschaftung (laut eigener Angabe fährt er nicht öfter als viermal im Jahr mit dem Traktor durch die Reihen) erzielt er ein Minimum an menschlichen Eingriffen und gibt den Böden die benötigten Nährstoffe wieder zurück. Geschnittene Kräuter beispielsweise werden liegen gelassen, um Nährstoffe für die nächste Saison bereitzustellen. Ein rundes Konzept, welches tolle Weine entstehen lässt. Ein tolles Weingut, welches die Liebe zur Natur und zum Produkt spüren lässt.

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Zu guter Letzt: Die Silvester-Bowle

Im Prinzip ist eine Bowle nichts anderes als ein Spirituosen-Fruchtansatz, der mit reichlich Weißwein, Schaumwein oder Ähnlichem aufgetopt wird. Da aber Weihnachten noch immer nachklingt, haben wir uns von weihnachtlichen Aromen zu diesem Rezept inspirieren lassen. Wir lassen den Ansatz lange stehen, damit sich die Aromen besser entfalten können. Das Ergebnis ist eine runde, homogene Einheit aus Frucht- und Gewürznoten.

1 l Apfelsaft, naturtrüb
400 ml Vodka, ca. 40%
125 g  Zucker
4–5 Quitten
1 Zimtstange
8 Wacholderbeeren
4 Nelken
zwei Flaschen Sekt

Den Zucker in einem mittelgroßen Topf karamellisieren lassen und mit dem Apfelsaft ablöschen; anschließend ca. 20 Minuten reduzieren. Nun die geschälten und fein gewürfelten Quitten sowie die Gewürze hineingeben und alles für 1 Minute auf niedrigster Flamme köcheln lassen. Abkühlen lassen, den Vodka unterrühren und alles in ein großes Marmeladenglas abfüllen. Dort mindestens zwei Monate ziehen lassen.

Nach dieser Zeit die Bowle-Mischung in eine große Bowle füllen, ca. 4 Handvoll Eiswürfel hineingeben und mit zwei Flaschen Sekt oder Champagner aufspritzen. Wer’s nicht so prickelnd mag: Geht auch gut mit einem leicht-fruchtigen Weisswein.

 

Cheers! Und einen guten Rutsch!

Bene & Oli

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